Zwischen Größenwahn und Armutsgrenze…

Gelsenkirchen

Der König von Preußen, Wilhelm I. verlieh im Jahre 1875 der damals ca. 11.000 Einwohner zählenden Gemeinde den Titel „Stadt“.

Mitte des 19. Jahrhunderts war Gelsenkirchen eine der bedeutensten Kohlestädte Europas, mit mehr als 400.000 Einwohnern.

Von der blühenden “Stadt der 1000 Feuer„, von denen immer noch die typischen Bergbausiedlungen und die verbliebenen Fördertürme zeugen, ist nicht mehr viel ürig geblieben. Aufgrund der einseitigen Ausrichtung auf die Montanindustrie, konnte Gelsenkirchen dem Strukturwandel nichts entgegensetzen. Die Folge: Hohe Arbeitslosenzahlen und Abwanderungen.

Heute hat Gelsenkirchen ca. 267.000 Einwohner und liegt damit an 11. Stelle in der Statistik. Allerdings liegt die Stadt seit Jahren unangefochten auf Platz 1 der Arbeitslosenstatistik; 13,5% im April 2008.  Weit über 36.000 Menschen sind statistisch von der Arbeitslosigkeit betroffen.

Wenn man durch die einst umsatzstärkste Einkaufsstraße schlendert, findet man fast nur noch 1€-Läden, Fressbuden, Handy-Shops,  und Apotheken.  Während Bekleidungshäuser wie WEKA, Oben und Thoben, Kaufhalle und Dieler den Platz räumen mussten, machen sich immer mehr Bettler im Stadtkern breit. Einige von ihnen, denen noch ein Rest Menschenwürde geblieben ist, bieten für das bisschen Geld wenigsten Musik.

Nichts desto Trotz leistet sich die Stadt so teure Baustellen wie das Hans-Sachs-Haus. Auf der offiziellen Seite der Stadt Gelsenkirchen ist nachzulesen, wie das Objekt entstanden ist, wer es erbaut hat, wann und wie es im Krieg zerstört worden ist, dass es wieder aufgebaut wurde, welche Veränderungen daran vorgenommen worden sind…. und dass ein Architekt 2008 den Zuschlag bekommen hat, das ehemalige Rathaus neu zu gestalten. Zitat aus der Webseite „Ziel des Wettbewerbs war, eine optimale und wirtschaftliche Lösung der Planungsaufgabe für die Bauherrin zu erreichen. “ Schade, dass denen das erst so spät eingefallen ist. Über den vorherigen Versuch, das Gebäude zu sanieren, findet man leider nichts. Dafür muss man auf andere Webseiten gehen…

Für  den 1. Versuch der Sanierung des Hauses, der sich von 2002 bis Dezember 2005 (Details) hingezogen hat, sind, laut Informationen diverser Webseiten, ca. 50 Millionen € über die Ladentheke gewandert.  Seit über 2 Jahren hat sich nichts getan, außer, dass man den entkernten Bau über die Weihnachtzeit 07 als supergroße Laterne eingesetzt hat. Pro Monat kostet die Baustelle ca. 40.000€, also da kommt es auf die Stromkosten für die Illuminierung ja auch nicht mehr an, oder??? Fühlt sich da niemand verschaukelt?

Man darf also gespannt sein, ob das Hans-Sachs-Haus tatsächlich eines Tages wieder seine Pforten öffnet… und um welchen Preis.

Schön und gut, Gelsenkirchen hat aber auch schöne Seiten zu bieten. Der Bau und Fertigstellung der

ARENA „auf Schalke“

im Jahr 2001 war sicherlich für alle Schalke-Fans das Highlight.

Kosten: 191 Mio. €.

Diese Investition hat sich bezahlt gemacht. Denn das Objekt ist nicht nur architektonisch toll, es hat uns die Fußball-WM beschert, die wir in guter Erinnerunge haben und es  zieht auch Menschen aus angrenzenden Städten nach Gelsenkirchen, um Events zu besuchen, die in der ARENA sonst noch stattfinden. Link! 

ZOOM Erlebniswelt

Was einst als Zwischenlager für den Tierhandel begann, sich später zum Ruhr-Zoo mauserte, der leider den Tieren keine artgerechte Haltung bieten konnte, aber dennoch ein beliebtes Ausflugsziel für Familien war, entwickelte sich zur einer absoluten Attraktion. Auf etwa 31Hektar finden über 100 Tierarten ihren Platz. Das Gelände ist in die Kategorien Afrika und Alaska eingeteilt. Asien soll bis 2009 noch fertig gestellt werden. Bereits 2007 wurde Besucher Nr. 1Mio. gezählt! Hobbyfotografen kommen hier voll auf ihre Kosten. Vielfältiger kann eine Fotosafari kaum sein.

Link zur Zoom-Webseite!

Das MIR – Musiktheater im Revier

Im Dezember 59 öffnete das Haus seine Pforten. Neben dem „Großen Haus“ gibt es ein „Kleines Haus“ für Sprechtheater. Viele Kinderstücke und Amateurtheateraufführungen durfte man hier schon bestaunen. Das Ballett unter der Leitung Schindowski sorgte immer wieder für Aufsehen. Er lies seine Tänzerinnen und Tänzer gerne unbekleidet über die Bühne tanzen. 

Aber auch die Architektur und die Installationen im Haus sind einen Besuch Wert. Die blauen Schwämme von Yves Klein sind seine größte und bekannteste Arbeit und gewissermaßen zum Markenzeichen des Hauses geworden. Selbst im Vorbeifahren sind die Reliefs durch die großen Fenster zu sehen.

 

Umsonst und DRAUSSEN

der Stadtgarten

1897 als Kaiser-Wilhelm-Park an das „Volk“ übergeben. 22 Hektar laden zum Entspannen, Wandern oder Joggen ein. Jedes Jahr wird der Musikpavillon zu einem Treffpunkt für Musikfans. Während der Ferienzeit findet die Veranstaltung „Sommersound“ statt.  Abenteuer für Musiker und Zuhörer. Denn hier wird nicht nur Bekanntes und Beliebtes serviert.  Hartgesottene Sommersoundfans kann das aber nicht abschrecken und selbst der dickste Regenschauer wird hingenommen oder ignoriert. „Wir sind doch nicht aus Zucker“ (aber süß), könnte das Motto lauten.

und Co…

Es grünt so grün in Gelsenkirchen. Naherholung im wahrsten Sinne. Das macht auch den Reiz dieser Region aus; man kann haben, was man braucht, und das in kürzester Zeit.

Noch mehr Entspannung!

Das Activarium

Freibad und großes Wellnes-Bad zusammen. Und wenn man aus der Tür kommt, ist man direkt im Revierpark (dort finden auch ab und an Events statt). Im Sommer ein beliebter und belebter Treffpunkt für Familien mit Kindern aller Altersklasse.

Die, die es ruhiger mögen, verschwinden für ein paar Stunden in der Saunalandschaft und lassen es sich im Solebecken gut gehen…

Kurzum, in Gelsenkirchen lässt es sich, trotz aller Widrigkeiten gut leben, wenn man in der glücklichen Lage ist, einen Job zu haben. Aber ohne Job lebt es sich überall gleich schlecht. Die Menschen der Region sind offen und herzlich und, in den meisten Fällen, tragen sie ihr Herz auf der Zunge (kann schon mal ein bisschen lauter werden).

Schade finde ich, dass DER Gelsenkirchener  in Fernsehreportagen, Filmen oder Dokumentationen gerne als einfältiger, mangernder Ruhrpottler dargestellt wird, der mir und mich ständig verwechselt und mitte sonstige Grammatick sowieso auf Kriechsfuß steht….. Klar, solche gibbet auch *g*… aber nicht nur.

In diesem Sinne!

Bin getz wech!

 

 

 

 

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